Was bedeutet die Leerwohnungsziffer für Vermieter und Makler?
Die Leerwohnungsziffer ist der Anteil leer stehender Wohnungen, die zur dauernden Miete oder zum Kauf angeboten werden, am gesamten Wohnungsbestand inklusive Einfamilienhäusern. Am Stichtag 1. Juni 2026 lag sie laut Bundesamt für Statistik bei 0,93 % (Vorjahr 1,00 %), mit 45 493 Leerwohnungen. Für Vermieter und Makler ist sie ein Gradmesser für die Nachfrage – und rechtlich relevant: Bei Wohnungsmangel können Kantone das Formular für den Anfangsmietzins obligatorisch erklären (Art. 270 Abs. 2 OR).
Übersicht
| Wert | 2025 | 2026 |
|---|---|---|
| Leerwohnungsziffer Schweiz | 1,00 % | 0,93 % |
| Leerwohnungen total | 48 455 | 45 493 |
| davon zur Miete angeboten | 37 194 | 34 690 |
| davon zur Miete angeboten: Veränderung | −3229 (−8,0 %) | −2504 (−6,7 %) |
| Leer stehende Einfamilienhäuser | 6797 | 6496 |
| Kantone unter 1 % | 15 | 15 |
Was die Leerwohnungsziffer misst
Das Bundesamt für Statistik (BFS) erhebt den Leerstand jedes Jahr am Stichtag 1. Juni in der Leerwohnungszählung. Gezählt werden nur Wohnungen und Einfamilienhäuser, die unbewohnt sind und zur dauernden Miete oder zum Kauf angeboten werden. Die Leerwohnungsziffer setzt diese Zahl ins Verhältnis zum gesamten Wohnungsbestand, Einfamilienhäuser eingeschlossen.
- Eine Wohnung, die vermietet ist, aber erst später bezogen wird, gilt nicht als leer.
- Neubauwohnungen (höchstens zwei Jahre alt) weist das BFS zusätzlich separat aus.
- Die Zahl ist eine Momentaufnahme an einem Tag – sie sagt nichts darüber, wie lange eine Wohnung leer stand.
Stand 2026: Leerstand sinkt weiter
Laut der Mitteilung des Bundes vom 10. September 2026 standen am 1. Juni 2026 in der Schweiz 45 493 Wohnungen leer, 2962 weniger als im Vorjahr (−6,1 %). Die Leerwohnungsziffer sank von 1,00 % auf 0,93 %.
- Tiefste Quoten: Zug 0,20 %, Genf 0,31 %, Obwalden 0,38 %.
- Höchste Quoten: Jura 3,35 %, Solothurn 1,91 %.
- 15 Kantone lagen unter 1 %.
Die Unterschiede zwischen Kantonen und Gemeinden sind gross. Für die Vermarktung eines Objekts zählt deshalb die Ziffer der Gemeinde oder Region, nicht der Landesdurchschnitt. Das BFS veröffentlicht die Werte bis auf Gemeindeebene.
Rechtliche Bedeutung: Art. 270 OR
Der Leerstand spielt im Mietrecht an zwei Stellen eine Rolle:
- Anfechtung des Anfangsmietzinses (Art. 270 Abs. 1 OR): Mieterinnen und Mieter können den Anfangsmietzins innert 30 Tagen nach Übernahme der Wohnung bei der Schlichtungsbehörde als missbräuchlich anfechten, wenn sie sich unter anderem wegen der Verhältnisse auf dem örtlichen Wohnungsmarkt zum Vertragsabschluss gezwungen sahen, oder wenn der Mietzins gegenüber dem früheren erheblich erhöht wurde.
- Formularpflicht (Art. 270 Abs. 2 OR): Im Fall von Wohnungsmangel können die Kantone für ihr Gebiet oder einen Teil davon vorschreiben, dass beim Abschluss eines neuen Mietvertrags das amtliche Formular verwendet wird. Darin wird der Mietzins des Vormieters offengelegt.
Das OR nennt keine feste Prozentschwelle für Wohnungsmangel. Ob die Formularpflicht in einer Gemeinde gilt, regelt der Kanton – prüfen Sie das vor jeder Neuvermietung bei der kantonalen Schlichtungsbehörde oder Fachstelle.
Was das für die Vermarktung heisst
Tiefer Leerstand bedeutet meist viele Bewerbungen pro Objekt. Hier zählt ein effizienter Ablauf: vollständige Angaben im Inserat (Mietzins, Nebenkosten, Bezugstermin), klare Liste der verlangten Bewerbungsunterlagen und – wo nötig – das korrekt ausgefüllte Formular zum Anfangsmietzins.
Höherer Leerstand bedeutet mehr Konkurrenz um Mieter und Käufer. Dann zahlen sich Reichweite und gute Präsentation aus: aussagekräftige Bilder, ein Grundriss und die Veröffentlichung auf mehreren Portalen. Wer mit einer Maklersoftware arbeitet, kann Objekte automatisch auf mehrere Portale übertragen.
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Beispiel: Was 0,93 % greifbar bedeutet
Eigene Rechnung: Bei einer Leerwohnungsziffer von 0,93 % steht rechnerisch etwa jede 108. Wohnung leer und ist auf dem Markt (100 ÷ 0,93 ≈ 108). In Zug mit 0,20 % ist es rechnerisch jede 500. Wohnung, im Jura mit 3,35 % etwa jede 30. Wohnung. Die Werte gelten für den Stichtag 1. Juni 2026 und den ganzen Kanton – einzelne Gemeinden können deutlich abweichen.
Häufige Fragen
Wie hoch ist die Leerwohnungsziffer 2026 in der Schweiz?
Am Stichtag 1. Juni 2026 lag sie laut Bundesamt für Statistik bei 0,93 %. Es standen 45 493 Wohnungen leer, 2962 weniger als im Vorjahr.
Welcher Kanton hat den tiefsten Leerstand?
2026 hatte Zug mit 0,20 % die tiefste Quote, gefolgt von Genf (0,31 %) und Obwalden (0,38 %). Die höchsten Quoten hatten Jura (3,35 %) und Solothurn (1,91 %).
Ab welcher Leerwohnungsziffer herrscht Wohnungsmangel?
Das Obligationenrecht nennt keine feste Schwelle. Ob Wohnungsmangel vorliegt und ob deshalb das Formular für den Anfangsmietzins Pflicht ist, regeln die Kantone.
Muss ich beim neuen Mietvertrag den Vormietzins angeben?
Nur wenn Ihr Kanton gestützt auf Art. 270 Abs. 2 OR die Formularpflicht eingeführt hat. Dann muss das amtliche Formular verwendet werden, das den bisherigen Mietzins offenlegt. Erkundigen Sie sich bei der kantonalen Schlichtungsbehörde.
Wann veröffentlicht das BFS die neuen Leerstandszahlen?
Die Zählung bezieht sich jeweils auf den 1. Juni; die Ergebnisse 2025 und 2026 wurden im September veröffentlicht (09.09.2025 bzw. 10.09.2026).
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Makler-Anfrage stellen →Quellen und Methodik
- WBF/BFS: Leerwohnungsziffer fällt unter 1 Prozent im Jahr 2026 (10.09.2026)
- BFS: Leerwohnungszählung vom 1. Juni 2026
- BWO/BFS: Leerwohnungsziffer fällt auf 1 Prozent im Jahr 2025 (09.09.2025)
- Obligationenrecht (OR), Art. 270 – Fedlex
Zahlen aus den Mitteilungen des Bundes zur Leerwohnungszählung (Stichtage 1. Juni 2025 und 1. Juni 2026), abgerufen am 12.10.2026. Rechtliche Angaben nach Art. 270 OR. Die Umrechnung «jede x-te Wohnung» ist eine eigene Rechnung von neocasa.ch. Keine Rechtsberatung.